Kenntnis, dass mit einem medienpädagogischen Konzept geworben wird, welches angeblich aus der sozialreformerischen Tradition der Freinet-Bewegung entstanden ist und damit bereits einen langen Erfahrungswert vorweisen kann.


Leider wurden meine Hoffnungen und Erwartungen nicht erfüllt. Zwei Jahre Freinet-Schule haben meiner Tochter in ihrer Entwicklung sehr geschadet. Toleranz und Mitmenschlichkeit, soziale Verantwortung, nichts davon wurde im Schulalltag vermittelt. Die Kinder waren einer autoritären Struktur ausgesetzt, die teilweise die Züge einer sektiererischen Bewegung zeigte.



Ich habe mich nach langem Zögern dazu entschlossen, meine Tochter auf einer anderen Schule anzumelden. Ich möchte mit meinem Bericht anderen Eltern Mut machen. Man braucht Mut für den Umgang mit den eigenen Schuldgefühlen. Man braucht Mut, sich einzugestehen, dass man eine Entscheidung für sein Kind traf, die ihm geschadet hat. Das Gegenteil von Gut ist nicht nur Böse, sondern auch gut gemeint.


Hätte ich die Situation nicht viel eher hinterfragen und kritisch beurteilen müssen? Hätte ich nicht viel eher handeln sollen? Ich halte seit vielen Jahren

Vorträge und Seminare zum Thema Autoritäre Psychogruppen und Sekten in der Demokratie. Es ist mir trotzdem nur sehr langsam gelungen, die Strukturen einer Gruppenbildung zu erkennen, die sektiererische und krankmachende Strukturen enthält, die den Kindern deutlich geschadet haben.



Meine Seminarteilnehmer weise ich immer wieder auf den Missbrauch hin, der heute mit der Benutzung des Wortes Sekte verbunden ist. Zu oft werden Andersdenkende diffamiert, neue Wege argwöhnisch betrachtet. Jeder einzelne muß erst einmal selbst entscheiden, ob ihm die Gruppe gut tut oder nicht. Daneben läuft parallel der Prozess der Beobachtung eines – in vielen Fällen – wohlmeinenden Umfeldes. Hier liegen die meisten Schwierigkeiten. Ich denke heute, dass es bei Kindern noch sehr viel schwieriger ist, diese Kriterien zu beobachten, sie richtig einzuordnen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Hinzu kommt, dass Eltern häufig von Seiten der Schulbehörden vorgeworfen wird, sie würden Schultourismus mit ihren Kindern betreiben. Man nehme ein bisschen Montessori, dann ein bisschen Peter Petersen und dann? Im Interesse unserer Kinder sollten wir uns von solchen Vorwürfen nicht abschrecken lassen. Wir Eltern brauchen nicht Belehrungen sondern Zuspruch, denn der langsame Prozess der Erkenntnis und das darauf folgende Handeln ist schmerzhaft. Wir Eltern mussten uns Fragen stellen wie "Was passierte eigentlich wirklich? Was ist es, an das wir uns zeitweilig nicht mehr erinnern wollen? Was bei jedem Treffen dazu führt, dass wir uns gegenseitig immer wieder in unserer Wahrnehmung bestätigen müssen: Ja, es war so, aber das kann doch nicht sein! Vielleicht habe ich mich ja doch geirrt?" Dann ist es beruhigend, wenn jemand anderes sagt: "Mir geht es genauso". Sind wir vielleicht einfach nur unserer Illusionen beraubt worden? Der Illusionen einer Schule der Zukunft, die unsere Kinder auf eine schwierige Welt besser vorbereiten sollte, als das andere Schulen tun. Der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, ist manchmal ein schmerzhafter Prozess.




Die Pädagogik von Célestin Freinet


Neben privaten Schulen arbeiten immer mehr öffentliche Schulen mit reformpädagogischen Konzepten. Manchmal entschließen sich einzelne Lehrer und Lehrerinnen in ihrem Unterricht zur Anwendung von solchen Konzepten, und nicht

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