Schule der Zukunft?

Neue Schulmodelle sprießen seit einigen Jahren wie Pilze aus dem Boden. Es sind Modelle, die Eltern versprechen, dass sie unsere Kinder auf eine ungewisse Zukunft vorbereiten wollen. Die reformpädagogischen Ansätze dieser Modelle sind sehr verschieden. Ebenso sind es ihre anthropologischen Wurzeln und politischen Ambitionen. Einer breiteren Öffentlichkeit eher bekannt ist beispielsweise Maria Montessori, Peter Petersen oder die Waldorf-Pädagogik. Weniger bekannt hingegen ist das Konzept des französischen Sozialreformers Célestin Freinet. Die Freinet-Pädagogik erfreut sich wachsender Beliebtheit und hat eine weltweite Anhängerschaft. Die Bewegung erhebt ausdrücklich einen politischen Anspruch auf Veränderung der bestehenden Gesellschaftsordnung. Mancher eifrige Reformpädagoge versteigt sich sogar zu der Äußerung, an seiner Schule würde ein neuer Mensch für eine bessere Welt erzogen werden.

Reformpädagogik in der Praxis: Was wird aus diesem Anspruch im Schulalltag? Neue Wege müssen behutsam gegangen werden. Man macht Fehler, wenn man Neues ausprobiert. Eltern sind in der Regel bereit, diese Fehler zu tolerieren. Sie helfen oft genug durch eine konstruktive und zeitaufwendige Elternarbeit mit, die Schulen der Zukunft aufzubauen. Doch leider häufen sich die Fälle, in denen die Entwicklung der Kinder aufgrund eines bedenklichen reformpädagogischen Experiments deutlich Schaden nimmt. In Einzelfällen kommt es sogar zu sektiererischen Ausbildungen mit einem strengen Dualismus von Innen- und Außenwelt, einem Gut-Böse-Schema und weiteren Kriterien, die für eine sektiererische Gruppenstruktur sprechen. Doch wie erkennt man solche Strukturen? Und vor allem: Was sollte man dann tun? Es gibt keine Patentrezepte. Doch eines ist auf jeden Fall wichtig: Die Information von Betroffenen und Experten und der gegenseitige Austausch. Viele Eltern entdecken erst spät, in wessen Obhut sie ihre Kinder im besten Glauben gegeben haben. Das Gegenteil von „gut“ ist eben leider manchmal auch „gut gemeint“. Da hilft dann nur das eigene Eingeständnis, Fehler gemacht zu haben.


Zum Thema:

Astrid Haarland

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